Volker Gallé (Hrsg.)

Vom finsteren zum bunten Mittelalter

Vom finsteren zum bunten Mittelalter
Wissenschaftliches Symposium der Nibelungenliedgesellschaft und der Stadt Worms vom 16. bis 18. Oktober 2015

Der Begriff vom finsteren Mittelalter ist nicht nur ein Kampfbegriff von Renaissance und Aufklärung, der die jeweilige Gegenwart in hellerem Licht erscheinen lassen sollte. Auch die Mittelalterverfilmungen unserer Gegenwart zeigen oft ein Bild von schlechtem Wetter, Schmutz und Dreck als Kulisse der Handlungen. Was darin gedeiht, ist häufig brutale Gewalt und Herrschsucht. Andererseits ist das Mittelalterspiel im Reenactment und auf Märkten eher bunt und fröhlich. Es wird mit Identitäten und Kulturen gespielt. Und auch dafür gibt es im Mittelalter Ansatzpunkte. Das Aufspüren der Ambivalenzen in allen Zeitaltern ist angesagt im hermeneutischen Prozess von Alterität und Identität. Wie wir auf die Geschichte schauen und was wir für Heute und Morgen auswählen, ist nicht nur eine Frage von Erkenntnis und Interesse, sondern auch eine Entscheidung zur gesellschaftlichen Gestaltung, wenn der Blick in Inszenierungen mündet, seien sie wissenschaftlicher, künstlerischer, musealer oder touristischer Art. Die 10. Tagung der Nibelungengesellschaft befasste sich unter dem Titel »Vom finsteren zum bunten Mittelalter« im Herbst 2015 mit diesem Fragenkomplex.


Beiträge

Volker Gallé: Vom finsteren zum bunten Mittelalter – eine Einführung
Christian Rohr: Das Mittelalter als Spiel und Parallelwelt – Annäherungen und Klischeebildung in der modernen Populärkultur
Frank Meier: »Unverständig wären die Menschen wie das liebe Vieh, wenn nicht die sechs Weltzeitalter hätten unterrichtet sie« – Bemerkungen zur zeitgenössischen Mittelalterrezeption
Jürgen Kost: Utopien rückwärts – Grundzüge der Mittelalterrezeption in der Literatur des 20. und 21. Jahrhunderts
Bettina Bildhauer: Nibelungenfilme als Mittelalterfilme: Fritz Lang, Harald Reinl, Uli Edel, Quentin Tarantino und die Gegenwart vergangener Gewalttaten
Andrea Sieber: Bunt, light, seriell? – Nibelungen-Rezeption zwischen Eskapismus und Partizipation
Nathanael Busch: Die Nibelungen in Parodie – Warum das Nationalepos nicht komisch sein darf
Detlef Goller: wunder hoeren sagen – Ein Essay über die Nibelungensage in Zeiten des kompetenzorientierten Deutschunterrichts
Andrea Schindler: Die Sehnsucht nach ›Gut‹ und ›Böse‹. Das Mittelalter zwischen Mythisierung und Bildungswissen
Katharina Zeppezauer-Wachauer: Der Geschmack des Mittelalters – Semantisierte Nahrungswelten in der populärkulturellen Mittelalterrezeption

Stichwortverzeichnis
Kurzbiografien der Autoren

212 Seiten

28 Schwarzweiß-Abbildungen

fadengeheftete Broschur

1. Auflage 2017

Worms-Verlag

978-3-944380-54-4

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