Volker Gallé (Hrsg.)

Germanische Mythologie und Rechtsextremismus

Germanische Mythologie und Rechtsextremismus
Missbrauch einer anderen Welt

Das 19. Jahrhundert war in Europa die Zeit nationaler Identitätsbildung. Der Norden Europas, die Germanen und das Nibelungenlied dienten in Deutschland als Material für Narrative der politischen Kultur. Bis 1849 wurde der damit verbundene Volksbegriff überwiegend republikanisch verstanden, nach der Niederlage der Demokraten zunehmend völkisch-national. Der propagandistische Missbrauch des aus dem autoritären Kaiserreich stammenden deutschen Mythos durch die Nationalsozialisten und deren Verbrechen gegen die Menschlichkeit im Namen des deutschen Volkes haben nicht nur zu einer sinnstiftenden kritischen Reflexion geführt, sondern das viel ältere Material nach 1945 auch stark tabuisiert. Dadurch blieb es allerdings in der Deutungshoheit des Rechtsextremismus. Der Tagungsband beschäftigt sich daher aus unterschiedlichen Wissenschaftsperspektiven mit den rechten Deutungsmustern und -interessen der Gegenwart, stellt den Stand der Forschung zu Germanen und deren Mythologie vor und skizziert Möglichkeiten, das Germanenthema anders zu erzählen.

Inhaltsverzeichnis
Volker Gallé  Deutsche Freiheit und republikanische Stammesfantasien – Hinweise auf brauchbare Deutungsmuster
Georg Schuppener  Rechtsextreme Aneignung und Instrumentalisierung germanischer Mythologie
Rudolf Simek  Germanische Mythologie – Forschungsstand und aktuelle Rezeption am Beispiel der rechten Szene
Burckhard Dücker  Zum Traditionsrahmen aktueller Symbole und Rituale rechtsextremer Formationen
Martin Langebach  Nordisch-germanische Mythologie im ›klassischen‹ RechtsRock
Franz Josef Röll  Zur Funktion und Bedeutung von Mythen für die Identitätsbildung von Jugendlichen
Sebastian Winter  Die Faszination des völkischen »Heils« – Zur Sozialpsychologie rechtsextremer Jugendlicher
Ralph Erbar  Germanische Mythologie und Nationalsozialismus im Unterricht
Fabian Müller  Den Missbrauch der Mythologie bekämpfen – Erste Ansätze für eine wirksame Präventionsarbeit

152 Seiten

eine Schwarzweiß-Abbildung

Broschur

1. Auflage 2015

Worms-Verlag

978-3-944380-24-7

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